Queerstiftis

Queere Stipendiat*innen und Alumni*ae

der Studienstiftung des deutschen Volkes

Workshops QSBT 2021

1. Queer:Leadership. Wie queere Menschen und Gedanken helfen können, die Welt von morgen voran zu bringen (oder auch nicht).

Queerness versteht sich - historisch und theoretisch - fast immer aus einer Abgrenzung und/oder als Gegenbewegung zu etablierten Machtstrukturen.

Umso spannender finde ich es zu fragen - kann ein so “altmodisches” Konzept wie Führung/Leadership etwas von queeren Menschen lernen? Wie sähe überhaupt ein queerer Beitrag zu einer neuen Art der Führung aus? Und gäbe es dann noch sowas wie Führung?

Mein Workshop ist kein reiner Theorieworkshop, sondern führt durch einen Selbstreflexionsprozess, der eng verbunden ist mit persönlichen Erfahrungen, Gedanken und Wünschen.

Florian Prittwitz-Schlögl, Mitgründer der Queer Stifits und professioneller Coach, leitet diesen Workshop. Alles ist freiwillig und vertraulich. Deine Teilnahme ist aber nur sinnvoll, wenn Du Lust hast, Deine persönlichen Themen einzubringen. Der Workshop ist nicht akademisch gedacht, sondern als Ort der Selbstreflexion und des gegenseitigen persönlichen Austausches. Der Workshop ist für alle geeignet, die sich in irgendeiner Art und Weise mit Führung/Gestaltung auch für andere im weitesten Sinne auseinandersetzen. Neben Stiftis, die im engeren Sinne Führungsrollen anstreben (oder schon innehaben) passt er also auch gut zu Aktivist*innen, Künstler*innen und Hierarchiekritiker*innen.

Zum Abschluss nimmt jede/r ein persönliche Idee mit, wie er/sie künftig anders mit Queerness & Leadership umgehen will - ganz konkret.

Der Workshop ist nicht primär akademisch gedacht - der Fokus liegt nicht so sehr auf theoretischem Diskurs, sondern auf theoretischer und praktischer Reflexion und interessierter, neugierige Auseinandersetzung mit der Reflexion anderer Teilnehmer*innen.

Technischer Hinweis: Der Workshop nutzt für die interaktive Arbeit ein von mir gehostetes Miro-Board. Damit das sinnvoll funktioniert ist es wichtig, dass Du (a) eine einigermaßen sinnvolle Internetverbindung hast (b) Du einen modernen Browser, am besten Google Chrome, verwendest (c) Du an einem Computer, nicht über ein Smartphone oder Tablet teilnimmst. Bitte bedenke das bei Deiner Workshopentscheidung. Den Link und Passwort zum Miro bekommst Du zu Beginn des Workshops (ein eigener Miro-Account ist nicht nötig)

2. Wir sind queere Tiere - Über Queerness und Tierbefreiung

Ob Giraffe, Pinguin, Eidechse, Clownfisch oder Hyäne, hunderte Spezies haben nicht nur ein reges gleichgeschlechtliches Sexualleben, sondern zeichnen sich auch durch hohe geschlechtliche Diversität aus. Dass viele Tiere tierisch queer sind, wird auch in der LSBTIQ*-Bewegung immer stärker diskutiert. Die Beschäftigung mit dieser Thematik wirft jedoch schnell weitere Fragen auf, die nahe legen, dass Tierbefreiung ein wirklich queeres Thema ist. Wie legitimiert das Patriarchat die Unterdrückung und Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere, Frauen, und queere Menschen? Ist Fleisch essen wirklich männlich? Was hat die Debatte um Natürlichkeit mit der Unterdrückung von queeren Menschen und nichtmenschlichen Tieren zu tun? Und: Können ‚schwule‘Pinguine im Zoo überhaupt ‚out‘ sein? Diese und andere Fragen wollen wir uns im Rahmen eines ca. 45-minütigen Vortrages mit anschließenden Kleingruppendiskussionen stellen.

Für den Vortrag wird eine Triggerwarnung ausgesprochen, da sexualisierte Gewalt und Gewalt gegen Tiere thematisiert werden. Für den Workshop ist keine Vorbereitung notwendig.

3. queer im (Anti-)Kapitalismus

Berührungspunkte zwischen radikaler Politik und queerer Community bleiben oft aus. Auf der einen Seite wird (fälschlicherweise) der Vorwurf von Identitätspolitik gemacht, auf der anderen steht oft Entpolitisierung. Brücken bauen in eine neue Welt heißt in diesem Fall, Verbindungen zu schaffen zwischen diesen zwei Bewegungen, statt queere und politische Fragen künstlich zu trennen. Im Workshop werden wir daher versuchen, Zusammenhänge zwischen queeren Lebensrealitäten und der kapitalistischen Organisationsform der Gesellschaft zu finden. Welchen Platz nehmen queere Menschen vor, während und nach dem Kapitalismus ein? Welche Rolle spielen Geschlechts- und Rollenbilder im Kapitalismus? Ist queere Befreiung im Kapitalismus möglich? Anhand von Texten, z.B. von Michel Foucault, Lisa Duggan, John D'Emilio oder Rosemary Hennessy werden wir diese Fragen besprechen. Es wird sich zeigen, dass Fragen nach zugänglichem Wohnraum, demokratischer Wirtschaft, ausgebautem ÖPNV und Gesundheitssystem usw. auch queere Fragen sind, genauso wie sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung eng mit antikapitalistischen Forderungen verbunden sind.

4. Queere Räume antirassistisch gestalten (ZWEI Slots)

Strukturelle Rassismen durchziehen unseren Alltag und wirken sich auch auf das Miteinander in queeren Communities aus. Trotzdem ist es oft unangenehm darüber zu sprechen. Keine*r möchte rassistisch sein und viele scheuen sich vor dem “R-Wort”. Damit queere Communities auch für Schwarze, Indigene und People of Color (BIPoC) ein schützender Raum werden können, müssen wir uns rassistischer Strukturen bewusst werden und ihnen aktiv entgegenwirken. Unser Workshop möchte diesen Prozess anstoßen.

Beginnen möchten wir mit einem Austausch dazu, was einen Safe(r) Space beziehungsweise einen queeren Raum für uns ausmacht. Nach einem Input zu Formen und Wirkweisen von Rassismen, wollen wir uns dem Konzept des Weißseins nähern. Dabei legen wir wert darauf, Euch da abzuholen, wo ihr steht - egal ob ihr bereits Vorkenntnisse zu Machtverhältnissen, Diskriminierungen oder sogar spezifisch zu Rassismen habt oder nicht.

Im Anschluss schauen wir aus postkolonialer und rassismuskritischer Perspektive auf queere Communities. Zuletzt wollen wir gemeinsam Lösungsansätze entwickeln, um Rassismen in unserem Umfeld überzeugend kritisch zu begegnen, queere Communities inklusiver zu gestalten und rassistischer Diskriminierung bei queeren Veranstaltungen entgegenzuwirken. Im Laufe des Workshops bedienen wir uns interaktiver Methoden (Breakoutsessions und Whiteboard via Zoom, Padlet, Mentimeter) und bieten Raum für Reflexion und Austausch. Damit auch online ein vertrauensvoller Raum entstehen kann, möchten wir, dass alle Teilnehmenden ihre Kameras einschalten. Falls ihr das nicht könnt oder wollt, könnt ihr im Vorhinein auf uns zukommen. Dieser Workshop richtet sich an alle Interessierten.

Shahrzad Golab (Sie/Ihr) & Lee Eisold (xier/xien)

5. Die Reproduktion von Geschlechterrollen in Homeworkout-Videos auf YouTube

„Dann sehen wir uns ja in ein paar Wochen =D!“ – Berühmte letzte Worte im März 2020 vor dem Hochschulsport. Fast ein Jahr danach habe ich dann auch fast alle No-Equipment-Home-Workout-Videos durch. Und dabei sind mir ein paar Sachen aufgefallen: Warum tragen eigentlich alle weiblich gelesenen Personen immer so enge Leggings? Und warum muss ich (als „Frau“) meine Problemzonen bearbeiten? Ich habe doch nur Wonnezonen! Und warum muss ich bereit sein, mit einem Workout 600 Kalorien zu verbrennen? Darf ich dieses Workout dann nicht machen, wenn ich einfach nur keine Rückenschmerzen haben will?

Ziel dieses Workshops ist es, anhand einiger Beispiele und kurzer Texte gemeinsam über die Reproduktion normativer Konzepte von Geschlechtern und Körpern in Homeworkout – Videos zu reflektieren. Dazu werde ich im Vorhinein zwei kurze Texte und einige Beispiele zur Verfügung stellen. Während des Workshops werden wir uns dann sowohl anhand kurzer Impulsvorträge als auch in Form von Gruppenarbeit austauschen.

Zuletzt hat dieser Workshop auch einen aktivistischen Anspruch: Es würde mich freuen, wenn wir es, als freiwillige „Hausaufgabe“ nach dem Workshop, zusammen schaffen, aufgrund unserer Ergebnisse ein kleines eigenes Workout zusammen zu stellen, zu dem jede*r einen Beitrag leistet. Das ist natürlich keine Voraussetzung für die Teilnahme am Workshop und es muss auch niemand mit Namen o.ä. auf YouTube erscheinen. Wenn wir das aber schaffen, wäre das natürlich queertopiamäßig eine perfekte Brücke zu einer diverseren Welt der No-Equipment-Home-Workout-Videos! Lasst und zusammen den Spagat diverser gestalten und das Gesamtwerk von Judith Butler von der einen auf die andere Seite heben, um unsere Bauchmuskulatur zu stärken.

Um am Workshop und an der Erstellung unseres eigenen Workouts teilzunehmen, sind keine Vorerfahrungen nötig. Falls ihr aber einen kurzen Clip zu unserem gemeinsamen Workout beisteuern wollt, wäre es gut, wenn ihr bequeme Kleidung, ein bisschen Platz und eine Möglichkeit, im Format 16:9 ein kurzes Video von euch aufzuzeichnen, bereithalten würdet.

6. Nächste Stunde: Brückenbauen nach Queertopia

Mittlerweile wird in der Institution Schule mittels verschiedener externer Projekte, Projektwochen, moderner Lehr-/Lernmodule Aufklärungs- uns Sensibilisierungsarbeit zu den verschiedenen Themen geleistet. Eines davon ist die sexuelle/romantische und geschlechtliche Vielfalt. Neben anderen Projekten hat sich in Deutschland der SCHLAU Verbund geformt. SCHLAUe Arbeit ist professionalisiert mit Qualitätsstandards und Grundqualifizierung für Teamende. Das Herzstück eines jeden Workshops bildet die autobiographische Arbeit. Mittels Storytelling über das eigene Coming Out und der Beantwortung anonym gestellter Fragen sollen die Schüler*innen für queere Lebenswelten sensibilisiert werden. Selbst wirke ich nun seit drei Jahren ehrenamtlich in einem größeren SCHLAU Projekt mit und durfte in dieser Zeit viele Erfahrungen sammeln. In diesem Workshop möchte ich nach einer Projektvorstellung und einer Beispielmethode, wie sie auch in einem Schulworkshop auftauchen könnte, mit Euch darüber nachdenken, wie queere Projekte in der Schule Brücken nach Queertopia bauen und/oder begehbar machen können und was dies in der heutigen Zeit zu bedeuten hat.

7. Queere Rituale – oder Rituale queeren

Rituale und ihre Bedeutung für Gemeinschaften faszinieren mich. Dabei beschäftigten mich die Fragen, was eigentlich die Essenz von einem Ritual ist und inwieweit es explizit queere Rituale gibt oder auch braucht. Ich freue mich sehr dieses Thema in einer praxisorientierten Werkstatt gemeinsam mit euch zu erkunden. Folgenden Fragen werden uns unter anderem widmen:

• Wann in deinem Leben hättest du dir ein gemeinschaftliches Ritual gewünscht, dass dich in deinem Weg und deiner Queerness stärkt?

• Inwieweit hast du bestehende Rituale gequeert?

• Wie könnten Rituale dich in deinem Queersein und die queere Community als Gemeinschaft stärken?

Ich heiße Alessa Rhode und bin cis-weiblich, abled-bodied, weiß und queer-liebend positioniert. Ich bin Friedensforscherin, mache eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin und arbeite als Bildungsreferentin und Bestattungsassistentin. Durch meinen Hintergrund kommt mein Zugang zu Ritualen auch, aber nicht nur, über Trauerarbeit und Bestattungsrituale. Ich werde im Workshop daher auch aus diesem Themenfeld Beispiele integrieren. Neben kleinen Inputs von mir wird es Raum für Kennenlernen und Austausch geben. Bringt dafür gerne einen für euch bedeutsamen Gegenstand mit. Wir werden zudem in einer utopischen Ritual-Werkstatt mit dem Tool mural Ideen und Visionen kreieren, wie queere Rituale gestaltet sein können.

8. What the TERF?!

[Triggerwarnung für Workshop und Beschreibung: Trans*feindlichkeit]

Spätestens seit JK Rowling in einem kontrovers diskutierten Essay trans*-feindliche Positionen aufgegriffen und wiederholt hat, ist das Wort TERF auch in Deutschland im öffentlichen Diskurs angekommen. Das Akronym steht für Trans-Exclusionary Radical Feminists, auch bekannt als FARTs (Feminism-Appropriating Reactionary Transphobes) oder unter Anhänger*innen „gender-critical“. Gemeint ist eine Bewegung, die trans* Personen ihre Identität, Existenz und Erfahrungen abspricht, sie oft sogar als übergriffig und gefährlich darstellt. Ziel ist, die Rechte von trans* Menschen einzuschränken, insbesondere den Zugang zu medizinischer Versorgung und die Freiheit von Diskriminierung.

Die radikal trans*feindliche Strömung hat ihren Ursprung in Großbritannien, wo sie es zu großem medialen und politischen Einfluss gebracht hat. Auch in Deutschland finden TERF-Positionen zunehmend Anklang. Typischerweise beziehen sich diese nicht etwa auf konservative oder religiöse Positionen, um reaktionäre Ansichten zu rechtfertigen, sondern schieben Sorgen um Feminismus und Frauenrechte, Rede- und Forschungsfreiheit vor. Gerade Akademiker*innen sind hierfür empfänglich. Daher ist es wichtig zu lernen, TERF-Argumente als solche zu erkennen und zu entlarven. Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir mit TERFs umgehen – wo hat Brücken bauen Grenzen?

Der Workshop soll als Input eine inhaltliche Einführung in die Entstehung, Positionen und Ziele der Bewegung geben. Wir werden ihre Thesen und Strategien in Kurzdiskussionen kritisch beleuchten. In Gruppenarbeit üben wir an realen Beispielen, TERF-Rhetorik zu erkennen und zu entlarven. Wie funktionieren TERF-Argumente? Warum sind sie trans*feindlich? In einer abschließenden Diskussionsrunde fragen wir: Was können wir tun?

Ich würde mich freuen, wenn sich im Workshop erste Ansätze und Ideen für Aktivismus entwickeln, die im Open Space weitergedacht werden können. Der Workshop richtet sich ausdrücklich auch an cis Allies. Ich selbst identifiziere mich als cis. Durch das Thema bedingt gilt die Triggerwarnung Trans*feindlichkeit für den gesamten Workshop. Besonders drastische Beispiele werden zusätzlich angekündigt.

9. Die Femme als queere Identität - Oder: Ist die Femme denn nirgendwo willkommen?

Als sogenannte „Femme“ bezeichnet man eine queere Frau mit besonders "femininem" Auftreten. Gemeint sind damit z.B. lange Haare, Make up, Kleider und hohe Schuhe. Und obwohl es schon immer Femmes in queeren und lesbischen Kreisen gab, wird ihr ihre Daseinsberechtigung seit Jahrzehnten immer wieder abgesprochen - denn das Auftreten der Femme scheint im Gegensatz zu politisch-feministischem Aktivismus zu stehen.

Nirgendwo ist die Femme so richtig willkommen: In queeren Kreisen wird sie als mitgebrachter Hetero-Allie, frisch geoutet oder questioning missverstanden, das Hetero-Umfeld argumentiert schamlos: "Seid ihr sicher? Ihr seht gar nicht aus wie Lesben."

Woher aber kommen diese Klischees? Weshalb überdenkt jede Femme mindestens einmal im Laufe ihres queeren Lebens, ob es an der Zeit ist, sich ein Flanellhemd zuzulegen und die Haare abzuschneiden, damit sie endlich von anderen queeren Frauen als zugehörig erkannt wird? Weshalb flirten dauernd Männer mit Femmes, während sie miteinander auf Dates sind? Weshalb müssen wir uns sogar in queeren Kreisen outen?

Wir möchten gerne reflektieren, warum das Auftreten der Femme so selten in Verbindung mit Queerness gebracht wird. Dafür möchten wir uns mit der Femme als queerer Identität und ihrem historischen Entstehungshintergrund beschäftigen. Wir werden feststellen: Entgegen aller Klischees und Abwertung von Feminität lehnt die Femme jeden Tag und mit all ihrer Kraft Heteronormativität und zweigeschlechtliche Normen ab, anstatt diese zu reproduzieren. Warum? Das möchten wir gemeinsam erarbeiten.

Der Workshop richtet sich ganz explizit auch an Nicht-Femmes und Nicht-Frauen, die herzlich zur Reflektion ihrer eigenen Denkmuster eingeladen sind.

10. Queer Natures

Der Workshop Queer Natures möchte einen explorativen Raum für queere Utopien jenseits eines engen Naturkonzepts eröffnen. Das (westliche) Konzept „Natur“ war und ist aus vielerlei Hinsicht problematisch für queere Erfahrungen. Diskurse über Natürlichkeit wurden zu Unterdrückung von nicht-heteronormativen Liebes- und Lebensformen genutzt. Gleichzeitig konzentrieren sich Möglichkeiten für Gemeinschaft für queere Menschen auf urbane Ballungsräume, scheinbar weit weg von der „Natur“.Unterschiedliche wissenschaftliche Diskurse hinterfragen und problematisieren das Konzept „Natur“. Die utopischen, queeren Naturen, die sich hier öffnen, möchten wir in diesem Workshop beginnen zu imaginieren. Wie könnten Naturen als Safe Spaces für queere Communities zurückgewonnen werden? Was bedeuten queere Formen von Verwandtschaft für ökologische Beziehungen mit anderen Wesen? Wie hängt kapitalistische und neokoloniale Umweltzerstörung mit heteronormativer Unterdrückung zusammen? Wie könnten queere Naturen die Beziehung zu dem eigenen Körpern befreien? Im ersten Teil werden wir Gedanken und Ideen aus einer kleinen Bibltiohek zu Queerer Ökologie miteinander teilen. Mit diesem Input werden wir uns der utopischen Imagination dann mithilfe der Methode der Autoethnographie nähern. Bei dieser Methode steht die persönliche, verkörperte und multisensorische Erfahrung, Erinnerung oder assoziative Imagination im Zentrum.Der Raum knüpft zwar an akademische Diskurse aus den Environmental Humanities an, ist jedoch vor allem ein offener Ort für kreative Assoziation, Imagination und persönlichen Austausch. Wichtig wäre für die Teilnahme am Workshop eine Offenheit gegenüber persönlicher Imagination, Neugier für Ergebnisoffenheit sowie Rücksicht und Vertraulichkeit gegenüber den anderen Teilnehmenden.

Schlagwörter: Queer Ecology, Chtuhulucene, Envioronmental Studies, Autoethnographie, Multispecies-Ansatz

Podcast: https://forthewild.world/listen/queer-nature-on-reclaiming-wild-safe-space

11. Schmerz als Initiationsritus der Schwulen Szene?

Justin: It hurts. Does it always hurt?

Brian: A little bit. That's a part of it.

Mit diesen Worten erlebt Justin seinen ersten Analverkehr in der schwulen Kultserie "Queer As Folk". Wir wollen im Workshop kritisch hinterfragen, mit welcher Selbstverständlichkeit Schmerzen beim Analverkehr oft als notwendiger Bestandteil dargestellt werden.

Wird Schmerz gar zum Initiationsritus in die Schwule Szene hochstilisiert?

Welche Rolle kommt Schmerz in anderen Initiationsriten zu?

Was ist szenespezifisch am Reden über schmerzvollen Analverkehr?

Anhand von medialen Darstellungen und Fachliteratur wollen wir uns diesen Fragen aus soziologischer Perspektive nähern.

Der Workshop ist für alle offen, die Interesse am Thema haben.

Material (Auszug):

- Pilotfolge von "Queer As Folk" von Ron Cowen und Daniel Lipman

- Ausschnitte aus dem Roman "Auf Erden sind wir kurz grandios" von Ocean Vuong.

- "Der Schmerz der Männer in der Initiation: Das so-Ritual der Beti in Südkamerun" von Michael Houseman

12. Commons – Kapitalismus – Feminismus

Von verzwickten Verhältnissen und befriedigenden Beziehungsweisen

Solidarische Landwirtschaften, gemeinschaftlich organisierte häusliche Pflege, selbstverwaltete Internetanschlüsse, Nachbar*innenschaftsprojekte, polyamore Beziehungsnetze. All diese Commons schaffen Räume, in denen geteilt, gemeinsam genutzt und dauerhafte soziale Strukturen hervorgebracht werden. Genau das macht sie in Zeiten sich überlagernder ökologischer, sozialer und politischer Krisen so attraktiv und verlockend: Sind Commons also Fenster in post-kapitalistische Zukünfte?

Dem wollen wir mit einigen Fragen näher auf die Spur kommen: Wie können wir Commons konzeptionell-theoretisch fassen? In welche Commons seid ihr verstrickt (und merkt dies vielleicht nicht)? In welchem verzwickten Verhältnis stehen Commons und Kapitalismus? Können Commons Grundlage für Kämpfe gegen den Kapitalismus sein? Wie können wir mit Commons erfüllende Beziehungsweisen leben? Und wie können Commons antikapitalistisch werden? Was heißt das überhaupt?

Im Zentrum des Workshops steht die Frage nach der Un*Möglichkeit antikapitalistischer und queer-feministischer Commons. Es geht also um ein Verknüpfen verschiedenster Perspektiven auf die Prozesse des Commoning, die Commons erst herstellen, und ein kritisches Hinterfragen von Lektüre. Auf Basis von drei Vorbereitungstexten (Helfrich & Bollier, Federici & Caffentzis, Van Dyk) wollen wir Theorie und Praxis miteinander verknüpfen und unterschiedliche Fragen diskutieren.

Ich freue mich auf eure Teilnahme- jegliche Erfahrungen von euch – egal ob mit theoretischen Debatten oder alltäglichen Aushandlungen – werden den Workshop bereichern.

13. Homophobie x Islamophobie – ein Workshop zur Notwendigkeit queer-solidarischer Gesellschaftsentwürfe

Welchen Formen von Diskriminierung sind queere Menschen in Deutschland ausgesetzt, die sich in einem islamischen Kontext identifizieren oder die als muslimisch gelesen1 werden? Wie wirkt sich homophobe x islamophobe Diskriminierung auf Individuen aus? Was kann queer-solidarisches Engagement dazu beitragen, diese intersektionellen Diskriminierungserfahrungen zu vermindern?

Sowohl Glaubensbekenntnisse als auch Abgrenzung von Religiosität sind soziale Prozesse, die in einem von Bewertungen und (Vor-)Urteilen geladenen Raum stattfinden. Anhand audio-visueller, schriftlicher und künstlerischer Beiträge soll ein Status Quo der intersektionellen Diskriminierung an queeren Menschen hier und heute gezogen werden. Trotz der Inklusivität von Queerness ist queer-gesellschaftliches Engagement z.T. nicht unbelastet von Islamophobie, Rassismen, kolonialen Denkmustern und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit (eigenen) Vorurteilen soll den Ausgangspunkt einer gedanklichen Reise bilden, auf die wir uns gemeinsam begeben wollen: Was bedeutet es, gläubig zu sein oder als einer Religion (und damit oft einem kulturellen Kontext) zugehörig gelesen zu werden? Was ist unabhängig von Geschlecht, Gender, Sexualität, Herkunft und Glaubens- oder Denkmustern uns allen gemeinsam? Wie können wir diese Gemeinsamkeiten als Fundament für eine gelebte Solidarität nutzen, die eine für uns alle offene Gesellschaft anstrebt?

In einem gewaltfreien Raum wollen wir auf Augenhöhe miteinander unsere Bedürfnisse und Ideen austauschen und deren Einbringung in breitere gesellschaftliche Diskurse brainstormen. Die Teilnahme aller Menschen unabhängig von Geschlechtlichkeit, sexueller Orientierung, Herkunft oder Glauben ist ausdrücklich erwünscht, während Gewaltfreiheit in der Sprache vorausgesetzt wird. Als zwei queeren und weißen facilitators* ist es uns wichtig, unsere Positionalität zu reflektieren und hinterfragen, Machtstrukturen kritisch zu beleuchten und die Bedeutung von Antirassismus in unserer Arbeit hervorzuheben. Materialien werden vorab per E-Mail geteilt.

14. Queer families in Queertopia

Wie sehen Queere Familien in Queertopia aus? Wie waren die Bedingungen in der Vergangenheit und wie sieht es mit der Gegenwart aus? In unserem Workshop möchten wir uns Formen des Konstrukts Familie in queeren Lebensrealitäten nähern.

Den Fokus möchten wir dabei auf Familien mit Kindern legen. Wie können Kinder Teil von queeren Familien werden? Wir werden auf die praktische Umsetzung eingehen und die möglichen Vorgehensweisen für unterschiedliche Konstellationen (polycules, trans*idente Eltern, lesbische und schwule Eltern) erarbeiten.

Außerdem werden wir uns den rechtlichen Rahmenbedingungen zuwenden, inklusive eines Blickes über nationale Grenzen hinaus. Zudem wird auch thematisiert, welche Möglichkeiten es im Kontakt mit den Kindern und in der Interaktion mit unserer Umwelt gibt, um queere Familien als Teil der heutigen Realität zu kommunizieren. Dies werden wir Anhand unserer eigenen Erfahrung im Privaten (Familien mit und ohne Kinder) und im Beruflichen (Jura, Humanmedizin und Psychologie) tun.

15. Leistung, Initiative, Verantwortung – eine feministische Perspektive (ZWEI Slots)

In unserem Workshop setzen wir uns mit patriarchalen Strukturen innerhalb der Studienstiftung auseinander. Dafür werden wir die zentralen Begriffe des Leitbilds der Studienstiftung – Leistung, Initiative und Verantwortung – kritisch rekonstruieren. Die ebenfalls im Leitbild postulierte weltanschauliche Neutralität der Studienstiftung wollen wir mit den in diesen Begriffen enthaltenen, starken weltanschaulichen Positionierungen konfrontieren. Wir werden diskutieren, wie die impliziten Konnotationen dieser Begriffe mit einem patriarchalen Wissenschaftsverständnis zusammenhängen; ist dieser Zusammenhang exemplarisch für wissenschaftliche Institutionen?

Grundlage für unsere Diskussionen liefern dabei selbstbeschreibende Texte der Studienstiftung (ihr Leitbild, die Stipendiat*innenportraits auf ihrer Website oder Vorworte zu den Jahresberichten), die wir uns in ausschnittsweiser, (geistes-)wissenschaftlicher Lektüre gemeinsam aneignen werden. Auch unsere persönlichen Erfahrungen mit der Förderpraxis der Stiftung können hierbei Raum finden. Die Ergebnisse unserer Diskussion werden wir in Thesen festhalten. Idealerweise sollen sie uns helfen, in Zukunft die immer wiederkehrenden diskriminierend Erfahrungen, die wir in leistungsorientierten, wissenschaftlichen Kontexten machen, besser zu verstehen und zu kritisieren.

Im Vorfeld des Workshops werden wir eine gut zu bewältigende, vorbreitende Lektüre an alle Interessierten verschicken.

16. Mit World-Building eine andere* Welt denken (ZWEI Slots)

   *kann queer werden

Beim World-Building geht es darum, Welten zu erschaffen. Beispiele finden sich überall in Literatur und Medien, eines der bekanntesten und umfangreichsten dürfte Mittelerde von J.R.R. Tolkien darstellen. Die erschaffenen Welten sind dabei vielseitig. Neben der Geographie und Landkarten sind auch die Bewohner:innen, Kulturen und sogar Sprachen ein wichtiger Bestandteil. Was für ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem herrscht vor? Wie wird mit Wissenschaft, Religion und gegebenenfalls Magie umgegangen? Was ist die Geschichte dieser Welt, wie wird sie durch Einzelschicksale geprägt? All diese Aspekte können beim Worldbuilding eine Rolle spielen.

Wir werden so etwas im Workshop gemeinsam tun. Stück für Stück werden wir herausfinden und beobachten, wie sich eine kleine Gemeinschaft entwickelt. Was ist ihre Umgebung und wie interagiert sie mit ihr? Wie sieht das Gesellschaftsgefüge aus? Welche Erfolge haben sie und wo gibt es Rückschläge?

Zu diesem Zweck benutzen wir eine Art Pen&Paper (oder Tabletop) Rollenspiel: The Quiet Year von Avery Alder. Dieses bringt eine Reihe von Regeln und Werkzeugen mit, die uns bei unserem Ziel unterstützen und anleiten werden.

Falls ihr selbst schon Pen&Paper-Rollenspiele gespielt habt, es hat relativ wenig mit bekannten Systemen wie Das Schwarze Auge, Midgard oder Dungeons & Dragons zu tun. Wir verkörpern nicht alle unsere eigenen Charaktere, regeltechnisch gibt es zudem keine "Spielleitung", sondern alle wirken gemeinsam mit.

Als Vorbereitung vor dem Workshop werdet ihr ein paar wenige Fragen beantworten. Insbesondere werden wir uns im Vorhinein damit auseinandersetzen, welche Themen wir am virtuellen Spieltisch nicht behandeln werden. Oberstes Ziel ist, dass wir uns alle beim Spielen wohlfühlen können. Zusätzlich erhaltet ihr im Vorfeld eine kurze Übersicht zur technischen und nicht-technischen Vorbereitung. Der Workshop selbst soll über BigBlueButton - auf deutschen Servern - stattfinden. Hier haben wir vor allem eine virtuelle Leinwand/Tafel.

Klarstellung: Wir werden nicht mit allen bestehenden Normen brechen und einer queeren, bunten Utopie entgegen fiebern. Vielmehr werden wir Themen, die uns gerade beschäftigen, mit einer etwas anderen Methodik und aus einer anderen Perspektive betrachten und im Nachgang versuchen, daraus Schlüsse für unsere Welt zu ziehen.

☆☆☆☆☆ Benötigte Rollenspielerfahrung: Keine
★★★★★ Interaktion: Wir werden eigentlich alle durchgehend miteinander sprechen
★★☆☆☆ Vorbereitung (vor dem QSBT): Ein Fragebogen und ein paar Hinweise im Vorfeld
★☆☆☆☆ Wissenschaftlicher Anspruch: Wir werden kein Paper schreiben
★★★☆★ Überraschungen und Spannung: Das Ergebnis lässt sich wirklich nicht vorhersagen

17. Wege nach Queertopia – eine Welt wie sie dir gefällt

Stell dir vor, du wärst in Queertopia großgeworden! Wie hättest du dich entwickelt? Wie hättest du deine Empfindungen und Gefühle eingeordnet, wenn Heterosexualität nur eine Möglichkeit unter vielen gewesen wäre?

Nach einem Kennenlernen führen wir das Konstrukt der compulsory heterosexuality (“comp-het“) ein und tauschen uns darüber aus, wie comp-het das Leben queerer (oder aller?) Menschen beeinflusst. Dann hast du die Möglichkeit, in geschützten Kleingruppen zu erforschen, wie gesellschaftliche Normen deine Entwicklung und deine Erfahrungen mit Sexualität und Beziehung geprägt haben. Diese Selbsterfahrung bildet den Schwerpunkt des Workshops. Du teilst natürlich nur, womit du dich wohlfühlst! Zum Abschluss bauen wir eine Brücke ins bunte Queertopia und stellen uns vor, wie wir uns dort entfaltet haben könnten.

Willkommen sind alle, die Lust haben, sich mit comp-het auseinanderzusetzen und mit uns nach Queertopia zu reisen. Wir würden uns über eine diverse Gruppe freuen – egal wie viel Vorwissen, welche (a-)sexuelle Orientierung oder Identität. Denn: Viele Wege führen nach Queertopia!

18. Die Homolobby bläst zum Angriff - Queerfeindliche Diskursstrategien in gesellschaftspolitischen Debatten

Die offene, explizite Ablehnung von Homosexualität und Queerness ist in Deutschland immer weniger gesellschaftlich akzeptiert. Sie muss sich maskieren, subtile Ausdrucksweisen finden, durch implizite Aussagen und Andeutungen, um das tolerante, aufgeklärte Selbstbild der Gesellschaft nicht zu gefährden: "Ich sage mal so, über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft - an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht - ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion". Wie kommt Friedrich Merz dazu, in seiner Antwort auf die Frage, ob er ein Problem mit einem schwulen Bundeskanzler hätte, Homosexualität und Pädophilie als fließenden Übergang darzustellen? Warum erklärt er darüberhinaus Homosexualität zu einer Privatsache, mit der die Öffentlichkeit nicht zu behelligen sei? Warum warnen organisierte Homohasser_innen in öffentlichen Debatten um die Aufnahme queerer Themen in Lehrpläne ausgerechnet vor "Frühsexualisierung"? Wer sind diese Aktivistengruppen, wie sind sie organisiert und wie ziehen sie ihre Kampagnen auf? Wie funktionieren ihre Argumentationsstrategien, welche Vorurteile, Ängste und Wertvorstellungen versuchen sie anzusprechen?

Der Workshop gibt einen systematischen Überblick über die Mechaniken queerfeindlicher Rhetorik und über die Strukturen der radikalen Diskriminierungsfans. Außerdem werfen wir einen Blick auf Debatten, in denen queerfeindliche Positionen erfolgreich überwunden werden konnten und entwickeln auf dieser Grundlage Strategien im Umgang mit dem reaktionären Backlash, sowohl in privaten Gesprächen als auch in gesellschaftspolitischen Diskursen.

19. „Where do the quiet gays go?“ – Über das Fremd- und Andersfühlen in queeren Communities

Gemäß einer allgemeinen Definition bedeutet „Queer-Sein“ durch den Ausdruck einer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität von der gesellschaftlichen Cisgender-Heteronormativität abzuweichen – also kurz gesagt „anders“ zu sein. Gemeinschaft finden queere Personen in queeren Communities. Was aber, wenn man sich auch dort fremd fühlt?

Hast du Dich schon mal gefragt, ob du „queer“ genug bist? Fühlst Dich manchmal unter queeren Menschen fremd oder vielleicht sogar unwillkommen und nicht gesehen? Kennst du das vage Unbehagen, wenn Menschen innerhalb und außerhalb von queeren Communities mit Erwartungen an dich und dein „Queer-Sein“ herantreten, die du nicht erfüllen kannst und/oder willst?

In diesem Workshop geht es um Selbstexploration. Wir setzen uns in der Gruppen und alleine, sowohl auf persönlicher als auch theoretischer Ebene, mit Erfahrungen des Fremdfühlens, Selbst- und Fremdbildern, Gruppendynamiken und Identitäten in Bezug auf queere Communities auseinander. Ziel ist es für uns selber, einen Umgang mit negativen oder widersprüchlichen Gefühlen bezüglich der eigenen (vorhandenen oder nicht-vorhandenen) queeren Identität zu finden.